Nach 97 Jahren endet eine Ära: Rogacki-Inventar in der Online-Auktion

Nach 97 Jahren endet eine Ära: Rogacki-Inventar in der Online-Auktion

Ein Berliner Original auf dem Weg ins Auktionshaus.

Nach fast 100 Jahren schließt eine Berliner Lebensmittel-Legende ihre Türen: Rogacki in Charlottenburg. Der traditionsreiche Feinkostbetrieb mit eigener Räucherei steht nun im Insolvenzverfahren – und sein Inventar wird versteigert.


27/11/2025     Insolvenz

AssetOrb führt die offizielle Online-Auktion durch. Für Berliner Betriebe, Gastronomen und Kenner öffnet sich damit ein seltenes Kapitel Berliner Handwerkstradition – Ausstattung aus einer echten Institution steht zum Verkauf.

Was machte Rogacki so einzigartig?

Ursprung einer Berliner Handwerkstradition

Rogacki begann 1928 als Aal- und Fischräucherei im Berliner Wedding. Die Familie Rogacki verkaufte ihre Waren zunächst auf Märkten – damals noch mit Handkarren.

Später zog das Geschäft nach Charlottenburg. Die hauseigenen Räucheröfen von 1932 prägten die Produktion über Jahrzehnte, die Räucherwaren blieben bis zum Schluss ein Markenzeichen des Hauses.

Markthallen-Charakter statt sterile Feinkost

Der Laden war nicht Boutique, sondern Berliner Alltag: Fischtheken, Wild, Fleisch, Käse, Backwaren, Pasta-Ecke, Imbiss, Austern- und Champagnerbar. Alles unter einem grünen „Markthallen-Dach“.

Die Kundschaft reichte von Arbeiterfamilien bis Feinschmeckern, von Stammgästen am Mittagstisch bis zu internationalen Besuchern. Rogacki war West-Berliner Esskultur zum Anfassen – ohne Schnörkel.

Ein Inhaber, der für seinen Laden lebte

Dietmar Rogacki führte das Geschäft in dritter Generation und stand sinnbildlich für handwerklichen Anspruch. Er war kein Showman, sondern Unternehmer am Produkt, im Laden, an der Theke.

Sein Tod im Mai 2025 bedeutete den Wendepunkt. Ohne seine Leitung fehlte dem Unternehmen operative und kaufmännische Führung.

Insolvenz und Schließung

Steigende Kosten und neue Auflagen

Behördliche Umweltauflagen, Kostensteigerungen und notwendige Umbauten belasteten den Betrieb bereits vor der Insolvenz. Der Aufwand, die klassische Produktion in eine moderne Regulierung zu überführen, wurde zunehmend wirtschaftlich schwierig.

Zudem verschärften Energiepreise, Personalmangel und ein verändertes Konsumverhalten die Lage. Traditionelle Lebensmittelbetriebe kämpfen damit nicht nur in Berlin – doch hier traf es eine der bekanntesten Adressen.

Schließung nach dem Tod Dietmar Rogackis

Am 18. Juli 2025 schloss das Geschäft überraschend. Mitarbeiter wurden heimgeschickt und die Theken leergeräumt. Kurz darauf stellte das Unternehmen den Insolvenzantrag.

Offiziell lauteten die Gründe: Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Damit endete vorerst eine Ära der Berliner Esskultur mit eigenem handwerklichen Anspruch und unverwechselbarem Stil.

Die Auktionsreihe bei AssetOrb: Inventar aus einer Berliner Institution

Details zur laufenden Auktion

Auktionstitel: Insolvenz der Berliner Feinkost-Institution Rogacki – Teil I
Start: 24. November 2025, 18:00 Uhr
Ende: 8. Dezember 2025, 11:00 Uhr
Standort: 10585 Berlin

Zum Auktionskatalog auf AssetOrb

Was wird versteigert?

Zur Versteigerung stehen Edelstahlmöbel, professionelle Kühl- und Kochtechnik, BIZERBA-Thekenwaagen, Gastraummöbel sowie weitere komplette Arbeitsbereiche aus der Produktion und dem Verkauf.

Es handelt sich überwiegend um gewerbliche Ausstattungen aus dem laufenden Betrieb – mit entsprechendem Qualitätsanspruch und längerfristiger Nutzung im Alltag einer Großproduktion.

Besichtigung und Abholung

Besichtigung: 5. Dezember 2025, 9:00–13:00 Uhr
Abholung: 11. Dezember 2025, 9:00–16:00 Uhr

Alle Lose sind im Onlinekatalog detailliert beschrieben und mit Fotos hinterlegt. Interessenten können während der Besichtigung die Technik persönlich prüfen.

Ein Abschied mit Geschichte

Mit der Schließung von Rogacki geht ein Stück Berliner Handwerks- und Esskultur verloren. Der Betrieb stand fast ein Jahrhundert lang für Räucherkunst, Markthallen-Flair und eine unverwechselbare Mischung aus Tradition und Alltag.

Die laufende Auktion zeigt, wie viel industrielle Handwerkskunst hinter einem vermeintlich einfachen Berliner Mittagstisch stand. Nun sucht dieses Inventar neue Betriebe, neue Einsätze – und Menschen, die es weiter nutzen.

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